Traumreise
Sie hatte diesen einen Traum.
Er begann ganz leise.
Eine Tür öffnete sich.
Zuerst war da nur ein Umriss. Groß. Schemenhaft. Dann trat er langsam ins Licht. Mit jedem Schritt wurde sein Gesicht klarer. Dieser Blick, der zugleich nah und unerreichbar wirkte. Als würde er sie ansehen und gleichzeitig durch sie hindurch bis zu ihren tiefsten Gedanken.
Sie konnte sich nicht bewegen.
Nicht aus Angst.
Sondern weil sie jede Sekunde in sich aufnehmen wollte.
Als er schließlich vor ihr stand, trafen sich ihre Blicke und die Welt um sie herum verlor jede Bedeutung.
Mit einem Wimpernschlag war alles anders.
Sie saßen nebeneinander auf einem alten Sofa, so nah, dass zwischen ihnen kaum noch Luft blieb. Die Zeit schien stillzustehen, während ihre Nähe jedes Wort überflüssig machte. Ein sanfter Kuss ließ ihr Herz schneller schlagen, der nächste nahm ihr den Atem. Draußen schien die Hitze des Sommers selbst die Luft flimmern zu lassen.
Doch der Traum trug sie weiter.
Wie in einem Strudel löste sich die Szene auf und fand sich an einem anderen Ort wieder.
Nur Kerzenlicht.
An der Decke tanzten unzählige kleine Spiegelsplitter und warfen ihr warmes Licht in den Raum, als würden Sterne um sie kreisen.
Sie fanden sich wieder, eng aneinander gelehnt, ganz in diesem einen Augenblick versunken. Es war die Wärme seiner Nähe, die sie umhüllte. Dieses leise Knistern, das mit jedem Blick intensiver wurde und die Welt um sie herum immer weiter verb**ssen ließ.
Sie hatte das Gefühl, als könnte Leidenschaft leichter machen als die Luft selbst.
Als würde sie einen tragen.
Genau in diesem Moment erwachte sie.
Doch das Herz klopfte noch immer.
Und irgendwo tief in ihr glomm dieser Traum weiter, als hätte die Nacht beschlossen, ein kleines Stück davon mit in den Morgen zu nehmen.